Kontakt

Assistenzhunde e.V.

Dagmar Tennhoff (1. Vorsitzende)

Aspastraße 15
59394 Nordkirchen

Telefon: 0 25 96/33 37

Kontakt: E-Mail


Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund.

Hildegard von Bingen

Unsere Hunde, sind mehr als nur treue Begleiter. Sie sind Assistenzhunde, Helfer auf vier Pfoten und in vielen Fällen lebensnotwendig für ihre Halter. Ein Besuch in der Hundeschule an der Aspastraße in Nordkrichen.

Die Tür geht auf. Und der Weg durch den kurzen Flur in den Schulungsraum der Hundeschule wird ein kleines Stückchen länger durch die vier, fünf, sechs Tiere, die den Weg versperren. Sie sind aufgeregt, wollen gestreichelt werden, spielen, kebbeln sich. Heute ist viel los in den Räumen an der Aspastraße.

Sechs Teams sind da. Teams aus Hund und Halter. Doch es geht nicht nur darum, dem Hund beizubringen, wie er Stöckchen holt. Es geht um mehr...

Viel mehr. Susanne kommt aus Essen. Manuela aus Münster. Familie Gormanns aus Wuppertal. „Bei unserer Tochter Lilly ist vor drei Jahren Diabetes festgestellt worden“, erzählt Mutter Monika. Die neunjährige Lilly sitzt neben ihr, streichelt die Hunde. „Sie merkt die fallenden Werte ihres Blutzuckerspiegels selbst nicht. Lilly würde einfach irgendwann in Ohnmacht fallen, ohne dass wir es merken.“ Vor Unterzuckerung warnen lernt die junge Labradorhündin In der Assistenzhunde-Schule von Dagmar Tennhoff. Der Familienhund Nelly deshalb gerade zum Diabetikerwarnhund ausgebildet. Er soll einmal aufpassen auf das junge Mädchen – und den Eltern ihre Unsicherheit nehmen. Die Angst davor, dass der Diabetes lebensbedrohlich werden könnte für Lilly. Nelly ist acht Monate alt und seit Oktober in der Ausbildung. „Bisher zeigt sie keine Unterzuckerungen an. Aber die Trainerin ist sich sicher, dass das was wird“, sagt Monika Gormanns und schaut rüber zu Tochter Lilly. Die streichelt ihren treuen Begleiter, der schon jetzt nicht von ihrer Seite weicht. Die Gormanns gehören zu den Familien, die sich einen Assistenzhund leisten können. Selbstverständlich ist das nicht, weiß auch Dagmar Tennhoff.

Gemeinnütziger Verein

Die 49-jährige Assistenzhunde-Trainerin hat im Juli 2015 einen Verein gegründet – „Assistenzhunde e.V.“, sagt sie in die Runde. „Wir sind ein gemeinnütziger Verein und alle, die heute hier sind, sind auch Mitglieder.“ Ziel sei es, Spenden zu sammeln für Betroffene, die sich die Ausbildung ihres Tieres nicht leisten können. „Und das geht nun mal nur über den Vereinsweg.“ Betroffene – das sind Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung, die durch einen Hund an ihrer Seite wieder zurück ins Leben finden wollen. Menschen mit einer Behinderung oder einer unheilbaren Krankheit. Bärbel Lasczkowski geht mit den anderen in den Garten der Hundeschule. Ein kleiner Kraftakt für die 50-Jährige. Sie leide an „spinozerebellärer Ataxie“, sagt sie. Einer Erkrankung des Nervensystems. „Es fällt mir zunehmend schwer, zu laufen, zu sprechen.“ Assistenzhund Findus kann ihr die Kommunikation nicht abnehmen – ihr das Leben aber trotzdem um so Vieles erleichtern. Bärbel Lasczkowski lässt eine Packung Taschentücher fallen, Findus hebt sie auf. Sie demonstriert, wie gut Findus gehorcht. Aufs Wort. „Stellen Sie sich vor, das passiert mit meinem Portemonnaie.“ Sie sei auf die Hilfe ihres Hundes angewiesen, sagt sie. Fühle sich mit ihm auch sicherer. Findus ist da für sein Frauchen. Als Unterstützer, Begleiter, Freund, aber auch einfach nur Haustier. Er ist fertig mit seiner Ausbildung, wegen der orangenen Warnweste um seinen Körper wissen das auch andere. „Außerdem habe ich immer einen Ausweis bei mir“, sagt Lasczkowski. „Der Golden Retriever Findus ist ein Assistenz-Begleithund“, ist darin abgedruckt. Zwei Jahre dauert die Ausbildung. „Jedes Team folgt einem systematischen Trainingsaufbau“, erklärt Dagmar Tennhoff. Einmal im Monat gebe es theoretische Seminare, zwischendurch praktische Schulungen. „Es geht darum, dem Hund einen gewissen Grundgehorsam beizubringen“, sagt Tennhoff. „Schließlich darf er sich nicht ablenken lassen, muss sich in allen Lebenslagen benehmen.“ Die meisten Hunde sind in der Selbstausbildung, trainieren mit der Familie, in der sie leben und bleiben werden.

Fremdausbildung

Bei der kleinen Tamu, die durch den Garten von Dagmar Tennhoff flitzt, wird es einmal anders sein. „Tamu ist bei mir in der Fremdausbildung“, sagt sie.

„Danach möchte ich sie weitergeben.“ In treue Hände, die sie für mehr brauchen, als einfach nur zum Streicheln.


Vanessa.Trinkwald, Ruhrnachrichten